Australian Embassy
Germany
Germany, Switzerland, Liechtenstein

Rede270111


Buchpremiere mit Kenneth James Arkwright
Centrum Judaicum, Berlin, 27. Januar 2011

Grußwort von S.E. Botschafter Peter Tesch 

Dear Ken and Judith,
verehrte Frau Süsskind,
sehr geehrter Herr Bundestagsvizepräsident, lieber Herr Thierse,
lieber Uwe Neumärker,
liebe Gäste, meine Damen und Herren!

Zunächst möchte ich Ihnen, liebe Frau Süsskind, danken für Ihre Bemerkungen – ja, Australien ist ein wundervolles Land, in dem Menschen aus der ganzen Welt eine neue Heimat gefunden haben. Australien steht auch heute noch für viele Europäer in besonderer Weise für ein Sehnsuchtsziel oder ein Traumland, das man einmal besuchen möchte. Umso mehr muss dies früher so gewesen sein für diejenigen, die hier verfolgt wurden oder nach dem Krieg nicht mehr heimisch wurden.

Als Vertreter Australiens in Deutschland ist es mir eine Ehre, mit hier dabei zu sein bei der Würdigung eines Lebens, das in Australien seine Erfüllung gefunden hat. Und es ist nicht das erste Mal, dass ich mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas in persönlicher Weise zusammenkomme.

Kenneth Arkwright – Klaus Aufrichtig – teilt sein Schicksal mit vielen anderen, die infolge des Terrors, der Morde und der Wirren in Europa nach Australien gekommen sind, um dort ein neues Leben zu beginnnen. Ich will gerne an drei Menschen erinnern, denen ich in meiner Zeit als Botschafter hier begegnet bin.

Im vorigen Jahr konnte ich bei einer ähnlichen Buchvorstellung in Berlin Sabina van der Linden-Wolanski kennenlernen, die bei der Eröffnung des Denkmals für die ermordeten Juden Europas für die Überlebenden des Holocausts gesprochen hat. Sie ist eine ganz wundervolle Frau, die aus dem Gebiet der heutigen Ukraine stammt, damals Galizien, und nach dem Krieg wie Ken Arkwright auch über Paris nach Australien gegangen ist. Sie wurde dort eine erfolgreiche Geschäftsfrau in der Modebranche.

Später bin ich Max Stern begegnet, der als einer von wenigen den Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen überlebt hatte und der dann als junger Mann ebenfalls nach Australien kam und ein neues Leben begann. Er erreichte eine einflussreiche Stellung bei der Australischen Post und ist auch heute noch dem Postwesen verbunden als Philatelist und Briefmarkenhändler. Im März wird er 90 Jahre alt, aber er reist immer noch um die Welt, um auf Messen und Ausstellungen neue Kontakte zu knüpfen. Und er hilft jetzt dabei, einen besonderen Blick auf die Beziehungen zwischen Australien und Deutschland zu werfen, indem er sich für eine Sonderbriefmarke für einen anderen bekannten Australier deutscher Herkunft einsetzt, den Forscher Ludwig Leichhardt, dessen 200. Geburtstag im Jahr 2013 ansteht.

Schließlich hatte ich im Dezember in Zürich mit einem besonders prominenten Australier zu tun, der sich nach dem Krieg in Australien ein neues Leben gestaltet hat, Frank Lowy. Er ist mit der Entwicklung und dem Betrieb von Einkaufszentren sehr erfolgreich geworden, engagiert sich aber auch in wichtigen gesellschaftlichen Bereichen wie dem Sport und als Gründer des bedeutendsten australischen außenpolitischen Forschungsinstituts. Er ist die derzeit maßgebliche treibende Kraft im australischen Fußball und hat sich stark dafür eingesetzt, dass sich Australien um die Austragung einer Fußballweltmeisterschaft beworben hat. Leider sind wir in Zürich nicht zum Zuge gekommen.

Kenneth Arkwright steht mit seinem Lebensweg ebenso wie diese drei für einen Neuanfang in weiter Ferne, und diese weite Ferne ist für sie alle ein Land, das Menschen aus der ganzen Welt aufgenommen hat und wo diese Menschen ein gutes Gemeinwesen aufgebaut haben. Sie alle haben unser Land und unsere Gesellschaft bereichert und mit dazu beigetragen, dass Australien heute das wohlhabende, friedliche und angesehene Land ist, als das es in der Welt wahrgenommen wird.

Sie spiegeln beispielhaft die jüngere Geschichte wieder, in der sich Europa und Australien begegnet sind. An diese Besiedlung unseres Kontinents durch die Europäer erinnert auch der australische Nationalfeiertag, der Australia Day, den wir erst gestern gefeiert haben. Wir erinnern uns dabei aber auch daran, dass Australien schon zuvor viele Jahrtausende lang besiedelt war, und dass unsere Ureinwohner, die Aborigines, tatsächlich die älteste dauerhaft bestehende Kultur der Menschheit haben.

Unser Land ist also geprägt von vielfältigen Einflüssen. Die Aussöhnung mit den Ureinwohnern und die Integration neuer Bürger sind für uns in gleicher Weise vorrangige politische und gesellschaftliche Aufgaben.

Ken Arkwright, Sabina Wolanski, Max Stern und Frank Lowy zeigen in hervorragender und ermutigender Weise, wie ein Lebensweg nach härtesten Widrigkeiten eine Wendung zu Glück und Erfolg finden kann. Australien ist stolz darauf, für sie und so viele andere Menschen eine neue, sichere Heimat bieten zu können.

 

Ambassador Tesch addressing audience at Centrum Judaicum, Berlin