Australian Embassy
Germany
Germany, Switzerland, Liechtenstein

Australia Day 2010 Speech


Rede des Botschafters, S.E. Peter Tesch, Australia Day 2010,
Berlin, 26. January 2010


Sehr verehrte Vertreter der Bundes- und der Landesregierung,
verehrte Mitglieder des Bundestages,
verehrte Kollegen aus dem diplomatischen Korps
liebe Gäste –

Ich hoffe, Sie gestatten es mir, mit einer persönlichen Bemerkung anzufangen. Ich freue mich wirklich, hier zu sein und mein Land in der Heimat meiner Vorfahren zu vertreten.

Man könnte sagen, dass dies einen Kreis vollendet, der vor fast 150 Jahren begonnen hat, als mein Ur-Ur-Großvater Gottfried Ludwig Tesch und seine Familie die Stadt Angermünde verließen, um ans andere Ende der Welt zu segeln …

… ein Kreis, der dann vor etwas mehr als 60 Jahren erweitert wurde: 1949, im Gründungsjahr der Bundesrepublik Deutschland, verließ meine Mutter ihre Heimatstadt Weiden in der Oberpfalz, um die gleiche Reise anzutreten.

Die Geschichte meiner Familie ist nur ein kleiner Teil der tief verwurzelten Geschichte, auf der heute – wo das zweite Jahrzehnt des 21sten Jahrhunderts gerade begonnen hat – die starken, positiven und wachsenden Beziehungen zwischen Deutschland und Australien gründen.

Am heutigen Tag vor 222 Jahren kam der Sohn eines Deutschen – Kapitän Arthur Philip, dessen Vater Mitte des 18. Jahrhunderts von Frankfurt nach London gezogen war – an der Küste an, die heute als Sydney Harbour bekannt ist. Dort gründete er die erste britische Kolonie im Großen Land des Südens.

Wenn wir heute hier stehen, mit Schnee und Eis draußen, lassen Sie uns einen Moment lang an diejenigen Menschen denken, die den heutigen Tag in Australien verbracht haben: beim Grillen am Strand, in den Parks, neben ihren Swimmingpools - die einen Lebensweg und eine Lebensqualität feiern, die wir für ziemlich besonders halten und die seit langem Tausende von Deutschen jedes Jahr dazu bringt, Australien zu besuchen –
• als Touristen;
• unter dem Working Holiday Visa-Abkommen, das in diesem Sommer zehn Jahre lang besteht;
• als Studenten, Researcher und Gastprofessoren;
• als Investoren.

Aber wir sollten auch einen Augenblick an die Opfer der schrecklichen Katastrophe in Haiti denken und an diejenigen – Deutsche, Australier und viele andere Staatsangehörige –, die vor Ort hart daran arbeiten, Ordnung und Struktur wiederherzustellen und Zehntausenden, deren Leben letzte Woche innerhalb von Minuten zerstört wurde, Hoffnung wiederzugeben.

Denn unsere gemeinschaftliche Antwort auf diese Katastrophe weist auch auf etwas hin, das ich heute hier besonders betonen möchte – nämlich die wachsende Verbundenheit zwischen australischen und deutschen Interessen – nicht nur in unseren bilateralen Beziehungen, sondern auch im Hinblick auf bedeutsame Themen und Herausforderungen, vor denen unsere beiden Länder stehen, und die Welt als Ganzes.

Bei seinem Besuch in Berlin im Juli letzten Jahres kamen der australische Premierminister Kevin Rudd und Bundeskanzlerin Angela Merkel überein, bei einer Reihe verschiedener regionaler und globaler Themen eng zusammenzuarbeiten. Zu den wichtigsten gehörten:

• der Klimawandel;
• die Überwindung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise;
• ziviler Wiederaufbau und selbsttragende Strukturen in Afghanistan;
• Abrüstung und Sicherheitsrisiken; sowie
• die Entwicklungszusammenarbeit in Afrika.

Diese Agenda ist nicht gerade bescheiden! Es ist jedoch auffallend, dass – wie die Bundeskanzlerin bei dem Besuch des Premierministers betonte – Australien und Deutschland zu diesen und den meisten anderen Themen überwiegend gemeinsame Ansichten verfolgen. Bei einigen dieser Themen gibt es bereits Fortschritte zu verzeichnen:

• Kurz vor Weihnachten habe ich mit Staatssekretär Born im Auswärtigen Amt ein Memorandum of Understanding unterzeichnet, gemäß dem Australien 3,5 Millionen Euro zu einem deutschen Entwicklungsprojekt beitragen wird, das Afghanistan mit einem modernen Luffahrtkontrollsystem ausstattet

o Australien wird die Infrastruktur für das Notstromsystem bereitstellen für den Fall, dass die Hauptstromversorgung versagt. Dieser Strom kommt aus erneuerbaren Energien – eine saubere, grüne Lösung;

• Die deutsche Regierung begrüßte den Bericht der International Commission on Nuclear Non-Proliferation and Disarmament – die als gemeinsame Initiative der Regierungen Japans und Australiens gegründet wurde – als wichtigen Beitrag zu einer politischen Diskussion über praktische, realistische Bemühungen zur Schaffung einer nuklearwaffenfreien Welt

o Deutschland spielte eine entscheidende Rolle in der Kommission durch die aktive Mitwirklung von General a.D. Klaus Naumann, einem der internationalen Mitglieder der Kommission;

• Deutschland und Australien – und unsere beiden Regierungschefs persönlich – haben unermüdlich und in enger Abstimmung zusammengearbeitet, um ein rechtlich bindendes Nachfolgeabkommen zum Kyoto-Protokoll über den Klimawandel zu schaffen

o Wir sind noch nicht soweit, aber weder dem Premierminister noch der Bundeskanzlerin mangelt es an Entschlossenheit!

• Schließlich hat sich, nicht zuletzt aufgrund der gemeinschaftlichen Bemühungen Australiens und Deutschland, die G20 als führendes internationales Wirtschaftsgremium etabliert.

Unsere starken zwischenmenschlichen Verbindungen werden auch durch gute Kontakte im Bereich des Kulturaustausches unterstützt, und in diesem Jahr gibt es hier einige besondere Highlights:

• Das angesehene Berliner Theater „Schaubühne“ hat gerade sehr erfolgreich beim Sydney-Festival gastiert, mit 8 ausverkauften Vorstellungen von Hamlet. Später dieses Jahr werden die Berliner Philharmoniker nach Australien reisen.

• Umgekehrt wird das Sydney Symphony Orchestra einige Konzerte in Deutschland geben, unter anderem beim Rheingau-Festival. Und das renommierte Museum Ludwig in Köln wird in einer großen Ausstellung Kunstwerke indigener Australier präsentieren.

Wie Sie sehen, ist dies eine aufregende Zeit, um australischer Botschafter in Deutschland zu sein. Als ich Bundespräsident Köhler am 8. Januar mein Beglaubigungsschreiben vorlegte, sagte er zu mir: „Es gibt hier in Deutschland eine sehr große Sympathie für Australien.“

Ich freue mich, dass dies so ist, und ich kann Ihnen versichern, dass dieses Gefühl vollauf und herzlich erwidert wird. Australier haben große Bewunderung und Wertschätzung für Deutschland – auch im Fußball!

In dieser Hinsicht könnten wir sicher am 13. Juni ein Untentschieden als diplomatischen Kompromiss sehen. Aber ich möchte Sie auch daran erinnern, dass man – wie im Jahr 2006 deutlich geworden ist – die Socceroos nicht unterschätzen sollte!

Und wenn wir die Welt von unserer Bewerbung überzeugen können, hoffe ich, dass Sie entweder 2018 oder 2022 die Gelegenheit haben werden, ein deutsches Team bei der Fußballweltmeisterschaft in Australien auf dem Spielfeld zu sehen.

Für heute wünsche ich Ihnen einige anregende Gespräche in unserem Kreis - nehmen Sie innerlich ein wenig von der Wärme mit, die wir derzeit in Australien haben, und versuchen Sie, sie auch hier zu verbreiten.